Das Projekt – Darum geht’s

Seit #Metoo diskutieren wir wie nie zuvor über das Geschlechterverhältnis in unserer Gesellschaft. Im Zentrum der Kritik stehen patriarchale Strukturen, ein damit verbundener Missbrauch von Macht und auferlegte Geschlechterrollen. Die Diskussion ist auch deshalb schwierig, weil wir alle in der Tradition des Patriarchats stehen. Wir sind sowohl Betroffene als auch Voreingenommene. Oft reproduzieren wird patriarchale Strukturen unbewusst. Hier einen neuen Zugang zu finden setzt voraus, sich von verankerten Rollenbildern zu lösen – zum Beispiel, indem wir eine Vorstellung davon entwickeln, wie eine nicht-patriarchale Gesellschaft aussieht.

Als Gegenstück zum Patriarchat gilt das Matriarchat. Oft wird das Matriarchat als „Frauenherrschaft“ bezeichnet und damit als eine Gesellschaft, in der es ähnliche Machtstrukturen gibt, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Doch was ist dran am Mythos Matriarchat? Wie gestalten sich Geschlechterbeziehungen in einer Gemeinschaft, in der jahrhundertealte matriarchale Strukturen überlebt haben? Gibt es ähnliche Machtstrukturen? Wird Macht missbraucht? Wie wird die #Metoo-Debatte hier geführt, wird sie überhaupt geführt? Und was können wir von einer nicht-patriarchalen Gesellschaft über unsere eigenen Lebenszusammenhänge lernen?

Mein Name ist Friederike Oertel, ich bin Journalistin. Während der nächsten drei Monate mache ich Urlaub vom Patriarchat – in einer matriarchal geprägten Stadt in Mexiko: Die Kleinstadt Juchitán gehört zu den wenigen Gemeinschaften der Welt, in der alte matriarchale Strukturen bis heute existieren. Was ich dort erfahre und erlebe, davon werde ich auf diesem Blog berichten. Das Matriarchat soll dabei nicht als Gegenmodell gelten, sondern vielmehr unsere Vorstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit hinterfragen.

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Ich bin freie Journalistin, aber auch Fernweherkrankte, Grüblern und Suchende. Ob in Berlin, Brandenburg oder Buenos Aires – ich bin viel und gerne unterwegs. Und weil das Sammeln von Eindrücken irgendwann zum Bedürfnis nach Ausdruck wird, schreibe ich Texte. Unter anderem für die ZEIT und ZEIT Online, Süddeutsche und Tagesspiegel.